Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie

Forschung

Die Rolle des Heparansulfatproteoglykans Syndecan-1 bei der Strahlenresistenz des Mammakarzinoms

Die Behandlung des Mammakarzinoms erfolgt aktuell in der Regel multimodal, die Strahlentherapie spielt dabei eine zentrale Rolle. Trotz verbesserter Behandlungserfolge treten nicht selten Rezidive auf, die im Zusammenhang mit der Entwicklung von Resistenzen stehen. Die Mechanismen hierfür sind auf molekularer Ebene nur unzureichend verstanden, könnten aber die Basis für eine wirksamere Therapie sein. Das vorgeschlagene Projekt adressiert diese Problematik und basiert auf gemeinsam mit der Klinik für Frauenheilkunde (Prof. Dr. Martin Götte) generierten Daten, die einen Zusammenhang zwischen dem Zelloberflächen-Proteoglykan Syndecan-1 und einer erhöhten Resistenz von Mammakarzinomzellen gegenüber einer Strahlentherapie herstellen. Hierbei ist eine erhöhte Aktivierung von Integrinen und der focal adhesion kinase (FAK) ein möglicher mechanistischer Grund, da Publikationen anderer Arbeitsgruppen kürzlich eine Rolle dieser Moleküle bei der Vermittlung von Strahlenresistenz belegen. Unsere Arbeitshypothese lautet, dass eine Herabregulation von Syndecan-1 beim Mammakarzinom über eine verstärkte Aktivierung von beta-Integrinen und FAK eine erhöhte Strahlenresistenz und eine erhöhte Zellmotilität vermittelt. Zusammenfassend sollen die Daten des Projekts molekulare Strukturen, die für den Syndecan-1-vermittelten Strahlenresistenzphänotyp von Mammakarzinomzellen verantwortlich sind, identifizieren und deren mechanistischen Zusammenhang mit Syndecan-1 aufklären. Der hierbei zu erwartende Erkenntnisgewinn soll die Grundlage für spätere pharmakologische Ansätze zur Modulation der Strahlenresistenz von Mammakarzinomen bilden, welche gleichzeitig unerwünschte Nebeneffekte wie die strahlungsinduzierte Metastasierung ausschließen.

Gefördert für drei Jahre (2020-2023) durch die DFG (GR 4743/5-1)

Untersuchungen zum Einfluss des RNA-bindenden Proteins Musashi auf die Strahlen- und Chemoresistenz von Tumoren

Die Musashi-Proteine MSI-1 und MSI-2 gehören als RNA-bindende Proteine zum posttranskriptionellen Genregulationsnetzwerk. Beide Proteine sind in neuronalen Progenitorzellen des Zentralnervensystems von Vertebraten hoch exprimiert und gelten als Marker für neuronale Stammzellen. MSI-1 und MSI-2 weisen eine hohe Homologie, insbesondere in ihren RNA-bindenden Domänen, und folglich einen signifikanten funktionalen Overlap auf.

Neuere Studien unserer und anderer Arbeitsgruppen legen nahe, dass dysregulierte Expression der Musashi-Proteine auch in der Tumorgenese, Tumorprogression und insbesondere in der Tumorstammzellnische eine wichtige Rolle spielt. In Arbeiten im Endometriumkarzinom konnten wir die Überexpression von MSI-1  nachweisen und auch erstmals antiproliferatives und pro-apoptotisches Signaling nach MSI-1-Knockdown zeigen.

In neueren Arbeiten gehen wir vor allem der Frage nach, inwiefern ein MSI-Knockdown die Therapieresistenz senologischer und gynäkologischer Tumoren verändert. In einer intramural  geförderten Publikation  konnten wir zeigen, dass die Herunterregulation der MSI-Proteine tripelnegative Mammakarzinomzellen sensibler für Bestrahlung macht. In einer Folgearbeit wiesen wir nach, dass MSI-1 im Mammakarzinom ein negativer prognostischer Marker ist. Unsere These einer Therapiesensitivierung durch MSI-Knockdown validierten wir in Folgestudien im Ovar - und Endometriumkarzinom.

Aktuell gehen wir in einem durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung drittmittelfinanzierten Projekt  der Frage nach, welche Signalwege für die beschriebenen funktionellen Veränderungen verantwortlich sind. Außerdem wollen wir unsere Ergebnisse im Rahmen einer IZKF-SEED-Juniorarbeitsgruppe unter Einsatz von Inhibitoren weiterentwickeln.

Einfluss von Syndecan-1 (CD138) und Heparanase auf die laterale Übertragung aggressiven Verhaltens und Plastizität der Tumormikroumgebung bei Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen und stellt ein ernstes Problem für das Gesundheitswesen dar. Eine Vielzahl von Forschungsdaten zum Invasions- und Metastasierungsprozess weist darauf hin, dass für diese Prozesse nicht nur zellautonome Eigenschaften der neoplastischen Zelle, sondern auch die Mikroumgebung des Tumors eine wichtige Rolle spielt. So ist diese aktiv an den Prozessen der Intravasation, Angiogenese und Regulation der Zellmotilität beteiligt. Neuere Forschungen zeigen einen wichtigen Beitrag der von der Matrix und der Zelloberfläche abgeleiteten Proteoglykane wie Syndecan-1 (Sdc-1) und der Heparansulfat abbauenden Endoglykosidase Heparanase zu praktisch allen Schritten der Tumorprogression. Trotz ihrer funktionellen Bedeutung sind Glykoproteine ​​aufgrund ihrer Komplexität derzeit ein nur wenig erforschtes Gebiet der Wissenschaft. Sie können jedoch aufgrund ihrer Wirkungen auf die für Tumorprogression relevanten Prozesse wie Adhäsion, Signalübertragung, Motilität (EMT), Krebsstammzellen (CSCs) und Metastasierung von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Tumor und Mikroumgebung sein. Dieses Projekt zielt darauf ab, eine Wissenslücke zu schließen, indem eine gründliche Analyse des Beitrags von Sdc-1 zur Tumorprogression erfolgt, die auf dem neuartigen Konzept der lateralen Übertragung der Tumoraggressivität basiert. Dieses Konzept liefert einen Erklärungsansatz für die Verstärkung des malignen Potentials von Zellen der Tumormikroumgebung. Darüber hinaus ist der Einfluss von Sdc-1 auf die Induktion von antitumorigenen zu protumorigenen Eigenschaften von Immunzellen Gegenstand der Untersuchungen. Da gemäß früheren Arbeiten unserer und weiterer Arbeitsgruppen das Targeting von Sdc-1 / Heparanase alle Schritte der Tumorprogression beeinflusst, erwarten wir, dass unsere Forschung eine wichtige Grundlage für die Entwicklung effizienterer Therapeutika bilden wird. Wichtige innovative Aspekte des Projekts sind: (a) die Verwendung von 3D-Kulturen, die es ermöglichen, die Wechselwirkungen von Tumorzellen mit ihrer Mikroumgebung zu stimulieren, und die Rolle von Sdc-1 und Heparanase bei der Plastizität der Krebsinvasion zu untersuchen, (b) 3D-Co-Kulturen, bei denen die Zellen durch Kontakt von Zelle zu Zelle (direkt) oder durch lösliche Faktoren und Exosomen (indirekt) miteinander kommunizieren könnten, um die Plastizität von Leukozyten und die Auswirkungen molekular zielgerichteter Strategien zu untersuchen, (c) die Verwendung von 3D-Bioprinting-Tumorigenitätstests zur Überprüfung des aggressiven Potenzials induziert aggressiver Zellen, zur Validierung der Rolle von Sdc-1 und Heparanase in diesem Prozess, und deren Einfluss auf verschiedene ECM-Komponenten sowie (d) die Funktionsanalysen von Zytokinen, Chemokinen und Proteasen als Regulatoren der Tumorprogression durch PGs sowie ein Beitrag der Exosomen zu diesem Prozess.

Gefördert für drei Jahre (2024-2026) durch die Deutsche Krebshilfe.

Mechanismen der Syndecan-1 und Matrix-vermittelten Modulation der Strahlenantwort

Die Strahlentherapie ist in den Leitlinien zur Behandlung des Mammakarzinoms verankert, sie ist eine wichtige Säule in der multimodalen Therapie des Triple Negativen Brustkrebses (TNBC). Allerdings ist gerade dieser markerarme Subtyp für seine Anpassungsfähigkeit und Resistenzentwicklung bekannt, sodass er trotz Bestrahlung häufig Rezidive bildet und metastasiert. Diese Problematik stand im Fokus eines DFG-Projektes, bei dem Syndecan-1 (Sdc-1) als mögliches Bindeglied einiger resistenzassoziierter Signalwege stand. Die Daten lassen auf eine Sdc-1-vermittelte verstärkte Aktivierung- und Recycling von Integrin, verstärkte FAK-Aktivierung und verminderte CDK6-Expression schließen, was in der Summe unter Beteiligung der Heparansulfatketten zu einer erhöhten Strahlenresistenz führte. Wir konnten damit einige Sdc-1-vermittelte Modulierungen der Strahlenantwort molekular- und auf Ebene von Signalwegen mechanistisch beschreiben. Allerdings ergaben sich aus den Daten auch neue Fragen zum Einfluss von Sdc-1 auf die Dynamik der Fokalen Adhäsionen, zum Mechanosignaling und zum Matrixremodeling. Unsere ursprüngliche Arbeitshypothese haben wir daher erweitert um die durch Sdc-1 koordinierte und durch Stress induzierte Umstrukturierung der extrazellulären Matrix (ECM). Zur Prüfung dieser Hypothese untersuchen wir (i) Kulturmodelle mit definierter Tumormatrix und Stiffness, um strahlenrelevante und Sdc-1 abhängige Moleküle und Signalwege mit Bezug zur Matrix und zur Invasivität zu identifizieren, (ii) den Einfluss der Steifheit der Tumormatrix auf den Sdc-1-vermittelten Strahlenphänotyp untersuchen, sowie auf die strahleninduzierte Dynamik von fokalen Adhäsionen, auf das Mechanosignaling und auf Zell-Matrixkontakte, (iii) den Einfluss eines enzymatischen Umbaus der ECM auf die Steifheit der ECM und auf die Strahlenresistenz bestimmen, und (iv) das molekulare Zusammenspiel von Sdc-1, YAP und CDK6 bei der Modulation der ECM und der Strahlenantwort testen. Diese Untersuchungen sollen Mechanismen aufdecken, wie durch die Wechselwirkung von Sdc-1 mit der extrazellulären Matrix der Strahlenresistenzphänotyp moduliert wird. Dies bietet die Möglichkeit Angriffspunkte zu identifizieren, die einzeln oder in Kombination gezielt pharmakologisch beeinflusst werden können, um die Strahlenwirkung signifikant zu verbessern und eine therapiebedingte Metastasierung zu unterbinden.

Untersuchungen zum Einfluss von Antioxidantien und Magnesium auf den strahleninduzierten oxidativen Stress der Haut

Therapien mit ionisierender Strahlung wie Röntgen- oder Protonenstrahlung zielen auf die Zerstörung des Tumorgewebes ab, die gleiche Strahlung schädigt aber auch immer gesundes Gewebe. Das sensible Verhältnis zwischen Normalgewebsreaktion und Tumorkontrolle definiert die therapeutische Breite. Je weniger Normalgewebsreaktion erwartet werden kann, desto höher kann die Dosis zur Behandlung des Tumors gewählt werden, damit steigt die Wahrscheinlichkeit der Tumorkontrolle. Durch die Radiolyse z.B. von Wasser werden sekundär generierte radikalische Spezies erzeugt, insbesondere zelltoxische reaktive Sauerstoff- (ROS) sowie Stickstoffspezies (RNS), diese können indirekt die DNA schädigen. Außerdem beeinflussen sie den zellulären Stoffwechsel, indem sie u.a. den NF-κB Signalweg mit Auswirkung auf das Immunsystem, Mitosefähigkeit und Apoptose modulieren. Im Gegensatz zur systemischen Prophylaxe gegen strahleninduzierten oxidativen Stress, die immer auch den Tumor schützt, lässt die lokale Anwendung von Antioxidantien einen für gesunde Zellen effizienteren Schutz erwarten. Dies konnte unter 2D-Kulturbedingungen für die Antioxidantien Hydroxytyrosol und Thioredoxin-Mimetic Peptide CB3 bereits eindrucksvoll gezeigt werden. Im Rahmen dieser Studie soll an 3D-gedruckten Hautmodellen mit in vivo-ähnlicher Topologie und Mikroumgebung die strahlenprotektive Wirksamkeit von Magnesium untersucht werden.

 
 
 
 

Leiter Strahlenbiologie


Prof. Dr. rer. nat. Burkhard Greve
greveb(at)­uni-muenster(dot)­de

Bei Interesse an einer Abschlussarbeit (Masterarbeit, medizinische oder naturwissenschaftliche Promotionsarbeit) in unserer Arbeitsgruppe melden Sie sich gerne bei Professor Greve  und PD Dr. Troschel. Wir freuen uns über neue Teammitglieder.