Kinder- und Neugeborenenchirurgie

Ösophagusatresie


Bei der Ösophagusatresie handelt es sich um einen angeborenen Verschluss der Speiseröhre. Man unterscheidet hier die reine Unterbrechung der Kontinuität, bei der die jeweils blind endenden oberen und unteren Stümpfe unterschiedlich weit voneinander entfernt liegen. Daneben kommt es häufig zu einer zusätzlichen Verbindung zur Luftröhre (Fistel), die in den meisten Fällen vom unteren Stumpf ausgeht. In vielen Fällen fallen Kinder mit einer Ösophagusatresie nach der Geburt dadurch auf, dass sie vermehrt speicheln und Atemnot haben. Stößt man beim Versuch, eine Magensonde durch Mund oder Nase des Kindes zu legen, auf einen federnden Widerstand, ist die Ösophagusatresie praktisch bewiesen, die Bestätigung erfolgt durch eine Röntgenaufnahme. Die Ösophagusatresie kommt mit einer Häufigkeit von ca. 1:4000 vor und ist mitunter kombiniert mit anderen Fehlbildungen, die z.B. die Anlage der Wirbelsäule, des Anus, des Herzens, der Luftröhre, der Nieren und der Extremitäten, also Arme und Beine, betreffen können. Meist können die begleitenden Fehlbildungen pränatal im Ultraschall gesehen werden. Die Ösophagusatresie selbst ist dabei schwierig festzustellen und oftmals nur indirekt durch die fehlende Darstellung der Magenblase des Kindes oder ein Polyhydramnion verdächtig.
Therapie
Die Behandlung einer Ösophagusatresie wird von zwei Faktoren bestimmt: 1. der Abstand von oberen zum unteren Ende und 2. das Vorhandensein oder Fehlen einer Fistel zur Luftröhre. In den meisten Fällen (über 80%) liegt eine kurzstreckige Atresie mit einer Fistel des unteren Stumpfes zur Luftröhre vor. Hier ist eine zügige Operation nur dann nötig, wenn das Kind Atemnot entwickelt, intubiert und beatmet werden muss. Über die Fistel wird dann der Magen-Darm-Trakt ebenfalls beatmet und dadurch zunehmend aufgebläht. In diesen Fällen ist es dringend erforderlich, die Fistel zu verschließen. In den meisten Fällen wird dann auch gleich die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Speiseröhre vorgenommen. Bei stabilem Kind bleibt dieses zunächst 1-2 Tage spontan atmend unter Beobachtung, bevor die geplante Operation durchgeführt. Das hat den Vorteil, dass der Stress, den ein Neugeborenes nach der Geburt durch die Umstellung der Kreislaufverhältnisse und das Einsetzen der eigenen Atmung hat, bereits zu einem großen Teil vorbei ist und die Operation unter besseren, weil stabileren Verhältnissen durchgeführt werden kann. Ziel der Operation ist der Verschluss der Fistel zur Luftröhre und die Wiederherstellung der Kontinuität der Speiseröhre. Etwas anders ist das Vorgehen, wenn der Abstand der beiden Enden der Speiseröhre zu groß ist, um ihn sofort durch eine direkte Annaht zu überbrücken. Früher wurde, unter kontinuierlichem Absaugen des Speichels aus dem oberen Segment, abgewartet, bis sich über die nächsten 6 bis 12 Wochen die Ende im Rahmen des Wachstums soweit angenähert haben, dass eine direkte Naht möglich wurde. Heute lässt sich die Phase durch spezielle Operationen auch verkürzten. Die Ernährung des Kindes erfolgt in der Zwischenzeit durch einen operativ angelegt, direkten Zugang zum Magen (Gastrostoma).
Nach der Operation
Nach der Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Speiseröhre wird eine Sonde über die Nahtstelle eingelegt, die diese zum einen schient, zum anderen die Kinder ernähren lässt. Diese Sonde wird nach ca. 10 Tagen unter Röntgenkontrolle mit Kontrastmittel entfernt. Dann lässt sich feststellen, ob die Naht Undichtigkeiten zeigt. Ist das nicht der Fall, kann mit der oralen Fütterung der Kinder begonnen werden. Zeigt sich eine Undichtigkeit, wird noch ca. 2 bis 3 Wochen mit dem oralen Kostaufbau gewartet. In dieser Zeit verschließen sich viele Leckagen von selbst, so dass eine erneute Operation meist vermieden werden kann. Die Nahtstelle kann sich aber auch einengen, mitunter soweit, dass Nahrung die Speiseröhre nicht mehr passieren kann. In diesen Fällen wird eine Spiegelung der Speiseröhre vorgenommen, bei der die Engstelle mit einem Ballon aufgedehnt wird. Dieser Vorgang muss meist einige Male wiederholt werden, bis die Speiseröhre dauerhaft weit bleibt. Letztlich haben alle Ösophagusatresie-Patienten einen, mehr oder weniger ausgeprägten, gastroösophagealen Reflux, d.h. eine erhöhte Neigung dafür, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre läuft und dadurch die Schleimhaut reizt. Zurück zu Früh- und Neugeborenenchirurgie