Expert steht für Extremitätenboard zur Prozessoptimierung, Evaluation, Risikominimierung und Therapieoptimierung. Das EXPERT Projekt ist ein G-BA Innovationsfond-Projekt, welches eine digitale interdisziplinäre Struktur zur Behandlung von offenen Frakturen und postoperativen Komplikationen evaluiert.
Ein interdisziplinäres Experten-Team des Universitätsklinikums Münster, berät 33 teilnehmenden Kliniken bei der Diagnostik und Therapie von Patient*innen mit Frakturen mit Weichteilschäden und mit post-operativen Komplikationen der unteren Extremitäten. Ziel ist die optimale Behandlung dieser komplexen Patient*innen zum Erreichen eines möglichst optimalen Ergebnisses. Hierbei wird eine Prozess- und Therapieoptimierung, sowie eine Risikominimierung angestrebt und der gesamte Prozess wissenschaftlich evaluiert.
Insgesamt ist in der Medizin ein Trend hin zu mehr Interdisziplinarität und zu individualisierter Medizin, die auf jeden Patienten einzeln zugeschnitten ist, festzustellen. Hierbei ist nicht nur die einzelne Verletzung oder Erkrankung, sondern die Gesamtheit der Voraussetzungen und verschiedenen Erkrankungen eines individuellen Patienten zu berücksichtigen. Bei schweren Verletzungen der unteren Extremitäten sind unfallchirurgische Expertise zur Behandlung der Frakturen und Weichteilschäden, plastisch chirurgische Expertise zur Behandlung von Weichteilverletzungen, gefäßchirurgische/angiologische Expertise zur Beurteilung und Behandlung der Durchblutung, radiologische Expertise zur Einordnung der Bildgebung und mikrobiologische sowie pharmazeutische Expertise zur optimalen Behandlung bei Infektionen erforderlich. Auf Grund der oftmals zeitkritischen Therapieverläufe in der Unfallchirurgie ist hier eine breit aufgestellte und interdisziplinäre Therapieplanung organisatorisch jedoch schwierig. Außerdem können nicht immer alle erforderlichen Fachabteilungen und Expertisen in dem jeweils behandelnden Krankenhaus vorgehalten werden.
EXPERT stellt durch seine personellen und digital-infrastrukturellen Möglichkeiten die Voraussetzungen für eine niederschwellig zugängliche und vollumfängliche Evaluation individueller Patientenfälle bereit und macht diese den umliegenden Kliniken zugänglich. Das Extremitätenboard des EXPERT-Projekts setzt sich aus erfahrenen Unfallchirurg*innen, plastischen Chirurg*innen, Radiolog*innen, Gefäßchirurg*innen, Angiolog*innen, Mikrobiolog*innen, Hygienikern, Infektiolog*innen und Pharmazeuten zusammen. Diese treffen sich in regelmäßigen digitalen Konferenzen, um Patientenfälle, die von einer der 33 teilnehmenden Kliniken aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen eingereicht werden, zu besprechen und Empfehlungen zur weiteren Diagnostik und Therapie abzugeben.
Das EXPERT-Projekt wurde an der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Münster ins Leben gerufen wird durch den Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA), der unter anderem die Erforschung neuer Versorgungsformen unterstützt, mit einer Förderung von rund 6,9 Millionen Euro finanziert. In diesem Rahmen erfolgt eine vollumfängliche wissenschaftliche Begleitung und Bewertung des Projekts. Erfahrungen und Daten aus EXPERT werden so der medizinischen Allgemeinheit zugänglich gemacht und werden zur Verbesserung der Versorgung schwer verletzter Patient*innen beitragen. Ziel des Expert-Projektes ist es eine ausreichende qualitative und gesundheitsökonomische Datenlage zu generieren damit interdisziplinäre Extremitätenboards bundesweit in die Regelversorgung überführt werden können.
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