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Mehr Klarheit bei der Behandlung von Beckenbrüchen: Münstersche Unfallchirurgen erhalten Forschungspreis

Beim Staubwischen von der Leiter gefallen, auf der Treppe ausgerutscht oder beim Skifahren gestürzt, wie Alt-Bundeskanzlerin Merkel 2014: Eine Verletzung am Becken kann schneller passieren als man denkt. Eine der möglichen Folgen ist die Beckenringfraktur - ein Bruch, der die Stabilität des Skelettteils gefährden kann, welcher die Beine mit dem Rumpf verbindet. Bislang besteht unter Medizinern noch Uneinigkeit, wie solche Frakturen am besten operativ zu behandeln sind. Forschende der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster haben mehr Klarheit geschaffen – und für ihre Studie nun den Forschungspreis der Mainzer Trauma-Stiftung erhalten. Als Erstautor der Publikation konnte Dr. Moritz Lodde die Auszeichnung in Empfang nehmen, die für herausragende Arbeiten in der Alterstraumatologie vergeben wird und mit 5.000 Euro dotiert ist.

Verstärkt durch veränderte Freizeitaktivitäten und den demographischen Wandel treten Beckenringfrakturen immer häufiger auf. Bei ausbleibender Heilung unter konservativer Therapie erfolgt eine operative Versorgung - für die verschiedene Verfahren zur Verfügung stehen, wie das Einsetzen einer Iliosakralschraube zur Stabilisierung des hinteren Beckenrings. Die Arbeitsgruppe der münsterschen Uniklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie hat in Kooperation mit dem AO Research Institute in Davos/Schweiz verschiedene Operationsverfahren verglichen und Empfehlungen formuliert. Dafür wurden Frakturen an 50 künstlichen Becken simuliert und die unterschiedlichen OP-Techniken getestet.

In ihrer Studie „Biomechanical Comparison of Five Fixation Techniques for Unstable Fragility Fractures of the Pelvic Ring“ zeigen die Wissenschaftler, dass die Kombination aus Iliosakralschraube und Platten-Osteosynthese für den Beckenring biomechanisch besonders stabil ist. „Unsere Ergebnisse setzen wir bereits erfolgreich im klinischen Alltag in der Patientenversorgung um“, berichtet Klinikdirektor Prof. Michael Raschke. Der Preis unterstreiche die hervorragende Arbeit der Einrichtung im Feld der Alterstraumatologie, freut sich der Teamleiter gemeinsam mit dem Preisträger Lodde, der seiner Arbeitsgruppe als wissenschaftlicher Mitarbeiter angehört. Die jährlich von der Mainzer Trauma-Stiftung vergebene Auszeichnung würdigt Studien, die sich mit den Mechanismen der Skelettalterung sowie der Entwicklung von optimalen Behandlungsmethoden in der Alterstraumatologie befassen. Die Stiftung wurde 2016 von Prof. Pol Rommens gegründet, dem früheren Direktor der Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Mainz.

PubMed-Link zur Studie

Unfallchirurgen geben Erste-Hilfe-Tipps bei Handwerkerverletzungen

Foto von UKM Prof. Michael Raschke
Foto (UKM): Prof. Dr. Michael J. Raschke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster).
Mehr Verletzungen in Corona-Zeiten: Do-It-Yourself-Videos machen noch keinen Handwerker. Zurzeit verbringen viele Menschen coronabedingt mehr Zeit zu Hause. Sie nutzen die Gelegenheit, Renovierungsarbeiten in Angriff zu nehmen oder die eigenen vier Wände zu verschönern. Unfallchirurgen warnen vor Selbstüberschätzung und geben Tipps zur Erstversorgung, falls es dabei zu einem Unfall kommt.
DGU/Münster/Berlin

 

„Viele informieren sich in YouTube-Videos. Diese erzeugen den Eindruck, dass Handwerken ohne Vorwissen für jeden machbar ist, doch die Umsetzung endet oft mit Verletzungen. Wir sehen jetzt etwa ein Drittel mehr Handwerkerverletzungen in der Notaufnahme“, sagt Prof. Dr. Michael J. Raschke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster).

Hunderttausende Menschen arbeiten derzeit im Homeoffice. Manche können ihr Geschäft nicht öffnen, andere sind in Kurzarbeit oder verbringen ihren Urlaub zu Hause. Die Idee, die eigenen vier Wände wohnlicher zu gestalten, liegt also nahe. Ob nun Bodenbeläge austauschen, ein Regal bauen oder Wände farbig streichen – häufig fallen die Entscheidungen für Umbauarbeiten spontan. Und oft handelt es sich um Arbeiten, die man sonst nur selten tut. Dementsprechend gering sind die vorhandenen Erfahrungen und Handlungsroutinen bei der Ausführung.
Konkrete Hilfe und praktische Tipps versprechen Ratgeber-Videos auf einschlägigen Social-Media-Plattformen. Dort zeigen andere, wie man einen Raum streicht, eine Lampe repariert oder auch ein Möbelstück selbst baut. Das sieht oft einfach aus, aber manche Tätigkeiten entpuppen sich als schwieriger als gedacht. „Wer keine Erfahrung mitbringt, sollte besonders bedacht vorgehen. Denn sonst können Schnitt- und Stichwunden, Quetschungen und Brüche, aber auch abgetrennte Finger und Fingerkuppen die Folge sein“, sagt Prof. Dr. Dietmar Pennig, DGU-Generalsekretär und Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Handchirurgie und Orthopädie am St. Vinzenz-Hospital der Universität Köln.

Denn zu selten denken Hobbyhandwerker an Arbeitsschutz und sicheres Werkzeug. Statt einer Leiter benutzen sie einen wackligen Hocker. Regelmäßig wird auch mit schwerem Gerät gewerkelt, ohne über die nötige Erfahrung zu verfügen. Zum Einsatz kommen Kreissäge, Flex, Hobelmaschinen oder sogar Motorsägen. Die Folgen des Handwerkens durch Ungeübte sind durchaus gravierend. „Wir appellieren deshalb dringend an alle Hobby-Handwerker, geeignetes Werkzeug zu verwenden und passende Schutzkleidung zu tragen“, sagt Dr. Thomas Brockamp, Präventionsexperte der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH). „Falls es jedoch zu einem Unfall kommt, sollte man einen Verbandkasten in der Nähe haben und wissen, was nach einem Unfall als Erstes zu tun ist.“

5 Ersthilfe-Tipps von Unfallchirurgen:

  • Bei Quetschungen: PECH-Regel anwenden – Pause, Eis, Kompression (compression), ggf. hochlegen. Sollten die Beschwerden am Folgetag nicht wesentlich rückläufig sein, so empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen, um strukturelle Verletzungen abklären zu lassen.
  • Beim Schnitt mit einem Cuttermesser: Blutung mit einem sauberen Tuch stoppen und die Wunde beobachten. Kribbelt der Finger oder ist er taub, könnte ein Nerv verletzt sein. Auch hier gilt, dass im Zweifel ein Arzt kontaktiert werden sollte.
  • Beim Schlag mit dem Hammer auf Finger oder Daumen: Wenn es keine offene Wunde ist, dann mit einem feuchten Tuch kühlen. Wenn der Schmerz oder die Schwellung nicht nachlässt, sollte auch hier eine Abklärung erfolgen, um ggf. Brüche auszuschließen. Auch ein Bluterguss unter dem Nagel sollte abgeklärt werden, er kann auf einen Bruch des Fingerendgliedes hindeuten.
  • Bei einem abgeschnittenen Finger: Falls mit der Kreissäge ein Finger abgetrennt wurde, ist schnelles Handeln erforderlich. Die Blutung am Stumpf muss mit einem Druckverband gestoppt werden. Das Fingerglied muss trocken in eine Plastiktüte. Diese Tüte wird in eine weitere Plastiktüte gesteckt, die mit etwas Wasser und wenig Eis gefüllt ist. Das Fingerglied darf keinesfalls direkt mit Eis in Berührung kommen, sonst kann es zu thermischen Schädigungen am Gewebe kommen.
  • Beim Sturz auf den Rücken: Bei starken Schmerzen oder Bewusstlosigkeit sollte umgehend ein Rettungswagen gerufen werden, da es sich um eine Wirbelsäulenverletzung oder schwerere Kopfverletzung handeln kann.

Als besonders tückisch erweisen sich manchmal kleine Verletzungen, beispielsweise am Handteller oder am Fuß. Denn Keime können bei einem Stich oder Schnitt tief in die Wunde eindringen. Da sich die obere Hautschicht sofort wieder schließt, ist zwar äußerlich von der Wunde kaum noch etwas zu erkennen, aber in den unteren Gewebeschichten kann sich eine Infektion entwickeln und Knochen und Gewebe schädigen. Was anfangs harmlos erscheint, kann schnell problematisch werden und in einem Klinikaufenthalt enden. Es ist deshalb ratsam, bei länger anhaltender Rötung, pochenden pulssynchronen Schmerzen oder

Entzündungszeichen unbedingt den Facharzt aufzusuchen – auch in Corona-Zeiten.
Besser, als eine Verletzung zu riskieren, ist es jedoch, handwerkliche Tätigkeiten gut vorzubereiten und diese nicht zu unterschätzen. Alle Arbeitsgeräte müssen sich für die geplante Tätigkeit eignen und gut gewartet sein. Wohnaccessoires sollten nicht zweckentfremdet und behelfsmäßig eingesetzt werden. Denn viele Verletzungen lassen sich bei ausreichendem Arbeitsschutz vermeiden.

5 häusliche Tipps für Hobbyhandwerker:

  • Festes Schuhwerk tragen: nicht in Hausschuhen oder Flipflops auf die Leiter steigen
  • Sicher stehen: keine wackligen Leitern benutzen und nicht auf Tische, Stühle oder Hocker steigen, um an höhergelegene Stellen zu kommen
  • Nicht ablenken lassen: konzentriert arbeiten mit Bohrmaschine, Flex und Co
  • Keine Mutprobe: eigene Fähigkeiten einschätzen, besonders wenn beim Handwerken keine Vorerfahrung vorhanden ist; bei Zweifel besser einen Handwerker hinzuziehen, beispielsweise bei Elektroarbeiten
  • Vorsicht bei Ratgeber-Videos: Nicht immer liefern Amateur-Videos die richtigen Sicherheits-Informationen und vieles sieht einfacher aus, als es ist.

Weitere Informationen:
www.dgu-online.de
Kontakt für Rückfragen:
Susanne Herda, Swetlana Meier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Telefon: +49 (0)30 340 60 36 -06 oder -00
Telefax: +49 (0)30 340 60 36 01
E-Mail: presse(at)­dgou(dot)­de

Raschke erneut als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie gewählt

Foto von UKM Raschke
Möchte die Fort- und Weiterbildung sowie den fachlichen Austausch unter Orthopäden und Unfallchirurgen wieder vorantreiben: Prof. Dr. Michael J. Raschke, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM.
Die mehr als 10.000 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie sprachen sich für eine Verlängerung der Amtszeit der Präsidenten Prof. Dr. Dieter C. Wirtz (Universitätsklinikum Bonn) und Prof. Dr. Michael J. Raschke (Universitätsklinikum Münster) bis Ende 2021 aus.
ukm/maz

Mit Start des neuen Jahres tritt Prof. Dr. Michael J. Raschke, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM, seine zweite Amtszeit als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie die stellvertretende Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) an. Die DGOU-Mitgliederversammlung wählte Raschke im Oktober im Rahmen einer digitalen Woche neben Prof. Dr. Dieter C. Wirtz (Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Bonn) für die Amtszeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2021 erneut an die Spitze der Fachgesellschaft. „Ich freue mich sehr, dass ich gemeinsam mit dem Kollegen Dieter Wirtz nach diesem zugegebenermaßen außergewöhnlichen Jahr, in dem leider auch unser Kongress abgesagt werden musste, die Möglichkeit erhalte, ein weiteres Jahr den Unfallchirurgen und Orthopäden in Deutschland vorzustehen“, sagt Raschke. „Natürlich ist uns bewusst, dass auch das Jahr 2021 unter dem Einfluss der Corona-Pandemie steht. Wir sind jedoch optimistisch, durch die begonnenen Impfungen einerseits und spezielle Hygiene-Konzepte andererseits in diesem Jahr wieder mehr Veranstaltungen – inklusive unseres Jahreskongresses – durchführen zu können, als das im abgelaufenen Jahr der Fall war. Damit können wir die dringend notwendige Fort- und Weiterbildung junger Kolleginnen und Kollegen sowie den fachlichen Austausch unter Orthopäden und Unfallchirurgen wieder vorantreiben.“

Üblicherweise enden Präsidentschaften der DGOU und DGU nach einjähriger Amtszeit; die Organisation und Durchführung des jährlich stattfindenden Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), mit mehr als 10.000 Besuchern der europaweit größte auf seinem Gebiet, gilt als Höhepunkt der Tätigkeit. Nach der Corona-bedingten Absage in 2020 soll der DKOU nun vom 26. bis 29. Oktober 2021 in Berlin stattfinden. Neben dem Thema Nachhaltigkeit und Ökologie in Kliniken, da Verpackungsmaterialien und Einweginstrumente täglich zu gigantischen Müllmengen führen, sollen laut Raschke weitere Schwerpunkte der Umgang mit Komplikationen sowie die Patientengruppe „Best Ager Plus“ sein.

Erfolgreiche Rezertifizierung: UKM weiterhin „im Lead“ beim Traumanetzwerk NordWest

Foto (UKM/Wibberg): Erfolgreiche Rezertifizierung: (v.l.) Dr. Christian Juhra, Dr. Helena Düsing und Klinikdirektor Prof. Michael J. Raschke, dessen Klinik weiter überregionales Zentrum im Traumanetzwerk NordWest ist.
Seit 2008 haben sich im Rahmen des Traumanetzwerks NordWest 50 klinische Partner zusammengeschlossen, um die optimale Ver-sorgung von Schwerverletzten in der Region zu gewährleisten. Die Initiative für die Region NordWest (nördliches Nordrhein-Westfalen/südliches Niedersachsen) ging initial von Univ.-Prof. Michael J. Raschke, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster), aus. Jetzt ist seine Klinik zu vierten Mal rezertifiziert worden.
ukm/aw

Alle drei Jahre werden die teilnehmenden Netzwerkpartner auditiert und, bei Einhaltung der geltenden Qualitäts- und Versor-gungsstandards der Schwerverletztenversorgung, entsprechend rezertifiziert. Im Traumanetzwerk selbst sind drei überregionale, zehn regionale und 13 lokale Traumazentren angeschlossen; weitere 26 sind assoziierte Mitglieder. „Gerade in unserem in weiten Teilen ländlich geprägten Raum hat sich die Versorgung der Patienten durch die Zusammenarbeit im Traumanetzwerk stark verbessert. Zum Beispiel, weil sichergestellt ist, dass Patienten im Zweifel vom übergeordneten Netzwerkpartner übernommen werden, wenn die Schwere ihrer Verletzungen es gebietet“, sagt Raschke. „Auch ist es möglich, dass sich die Kliniken oder auch die angeschlossenen über 60 Leitstellen gegenseitig unkompliziert konsiliarisch hinzuziehen, und zwar unter Nutzung moderner telematischer Infrastruktur.“ Auf diese Strukturen wurde auch im Rahmen der Pandemie zurückgegriffen. Wo Kliniken auf Grund der Quarantäneregelungen Leistungen reduzieren mussten, wurden diese von anderen Häusern im Netzwerk übernommen.

Am UKM finden Konsultationen oder Verlegungsanfragen per Video-Kommunikation innerhalb des öffentlich geförderten Projektes oVID (offenes und sicheres System zur Video-Kommunikation im Gesundheitswesen) statt, für das Priv.-Doz. Dr. Christian Juhra, Leiter der Stabstelle Telemedizin, verantwortlich zeichnet. „Indem wir die Videokonferenzen zwischen den Kliniken inzwischen gut etabliert haben, stellen wir für Traumapatienten deren bestmögliche Versorgung sicher“, so Juhra. „Vielfach können Patienten so in ihren heimatnahen Kliniken bleiben. Wo möglich, kann man so auf eine Verlegung in ein übergeordnetes Traumazentrum verzichten, was natürlich den Patienten zu Gute kommt.“ Neben der Möglichkeit, patientenbezogene Bilddateien über dem Westdeutschen Radiologie Verbund zu verschicken, können über das Upload-Portal von oVID Briefe und Befunde digital übersendet werden.

Klinikdirektor Raschke schätzt die neuen Technologien im Umgang der Kli-niken untereinander und sieht nur Vorteile. „Sogar zu Zeiten von Corona findet der Austausch untereinander regelmäßig statt. Wir treffen uns bereits seit dem Frühjahr nur noch über Videokonferenzen. Das nächste Netzwerktreffen im virtuellen Raum ist für Januar geplant. Es ist erstaunlich, wie hoch die Qualität dieser Veranstaltung ist.“

 

Ein besonderer Kongress in pandemischen Zeiten

Freuen sich auf den Handkongress im Messe und Congress Centrum Halle Münsterland: die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Martin Langer (r.), Prof. Dr. Marcus Lehnhardt und Kongresssekretär Dr. Simon Oeckenpöhler (l.).
Seit der Corona-Pandemie hagelt es Absagen für Messen und Kongres-se. Das betrifft auch die Medizin. Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie wagt nun einen Vorstoß: Mit einem speziellen Hygienekonzept findet in der Halle Münsterland ab heute der erste Kongress seit dem Lockdown statt. Ein Test, der die Branche hoffen lässt.
ukm/maz

Es ist Neuland für Kongresspräsidenten, wenn nicht die Inhalte maßgeblich für das Stattfinden einer Veranstaltung sind, sondern die Hygienemaßnahmen. Prof. Dr. Martin Langer und Prof. Dr. Marcus Lehnhardt haben sich dieser Aufgabe gestellt – und so startet heute mit dem 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) im Messe und Congress Centrum (MCC) Halle Münsterland die erste Tagung seit dem Lockdown im Frühjahr. „Corona wird uns noch länger begleiten und ist nicht in wenigen Monaten verschwunden. Und genau deshalb sind wir der Meinung, dass man Konzepte benötigt, wie solche Kongresse, die immens wichtig für eine qualifizierte Weiterbildung und den persönlichen, fachlichen Austausch sind, jetzt, aber auch in den nächsten Jahren stattfinden können“, so Martin Langer, Stellvertretender Klinikdirektor und Leiter der Sektion Handchirurgie und Mikrochirurgie der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKM (Universitätsklinikum Münster).

Das Konzept für den 08. bis 10. Oktober ist ausgeklügelt: Jeder Teilnehmer hat einen eigenen Tisch und Stuhl mit 1,5 Metern Abstand zu allen Seiten, es herrscht durchgängig Maskenpflicht, das Catering wird durch Lunchpakete ersetzt. Und das Wichtigste für die Mediziner: Die Halle Münsterland hat eine permanente Frischluftzufuhr, es wird keine Luft umgewälzt. „Der Austragungsort ist deshalb ideal aufgrund der großen räumlichen Kapazitäten und des Belüftungskonzepts“, zeigt sich auch Marcus Lehnhardt, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des Universitätsklinikum Bergmannsheil, überzeugt. Mit dem Vorstand der DGH, Vertretern der Halle Münsterland und der ausrichtenden Kongressgesellschaft Intercongress GmbH gab es im Vorfeld eine Begehung sowie einen intensiven Austausch, bevor die Entscheidung fiel, die Veranstaltung stattfinden zu lassen.

Mit 500 Teilnehmern ist der Kongress aufgrund der begrenzten Kapazität ausgebucht, das sind etwa 300 weniger als zu normalen bzw. bisherigen Kongresszeiten. „Wir haben sehr großen Zuspruch erhalten, die Kolleginnen und Kollegen freuen sich, dass wir ein Konzept entwickelt haben, mit dem die Veranstaltung stattfinden kann“, erzählt Langer. Die Themen der 60. Jahrestagung umfassen seltenere Diagnosen wie Tumore der Hand und psychische Erkrankungen, aber auch detaillierte Techniken und Tipps bei Standardoperationen. „Insbesondere für den Nachwuchs gibt es Instruktionskurse, die morgens dem Hauptprogramm vorgelagert sind“, erklären die beiden Handchirurgen, die gezielt die Fortbildung in den Fokus stellen, da dieser Bereich im vergangenen halben Jahr nur bedingt durch Onlineseminare abgedeckt werden konnte.

Und so freuen sich Langer und Lehnhardt, wenn auch mit etwas gemischten Gefühlen und dem Bewusstsein, dass trotz aller Vorbereitungen ein Restrisiko bleibt, auf „ihren“ heute startenden Kongress – und mit ihnen vermutlich nicht nur Miriam Figge, Leitung des Geschäftsbereiches Gastveranstaltungen im MCC Halle Münsterland, sondern eine ganze Branche. „Neben einer gelungenen Veranstaltung für unseren Kunden erhoffen wir uns, dass der Kongress ein Zeichen setzt: Tagungen und Kongresse sind wieder möglich und können – unter Einhaltung aller Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen – erfolgreich durchgeführt werden“, zeigt sich Figge zuversichtlich.

Als Dankeschön: Patientin spendet 80 personalisierte Masken für die Unfallchirurgie

Foto: Prof. Dr. Michael Raschke (r.) und Prof. Dr. Martin Langer freuen sich über die gespendeten Masken von Patientin Elena Sophia Verfürth.
Nach einem schweren Reitunfall wurde Elena Sophia Verfürth im April im UKM operiert. Auch wenn ihr linker Ellenbogen noch nicht wieder voll funktionsfähig ist, wurde die Inhaberin eines kleinen Modelabels kreativ – mit Unterstützung der Unfallchirurgen selbst.
ukm/maz

Man nehme eine Patientin, die Modedesignerin ist, einen Handchirurgen mit Zeichenkünsten und die Idee des Direktors der Unfallchirurgie – und fertig ist ein hochwertiger, personalisierter Mund-Nasen-Schutz mit eingestickter Knochen-Skizze. Denn Knochen und ihre Verletzungen gehören zum Handwerk der Unfallchirurgen am UKM (Univer-sitätsklinikum Münster), in das Elena Sophia Verfürth im April nach einem schweren Reitunfall eingeliefert wurde. Eine komplizierte Ellenbogenfraktur musste operiert werden, nach vier Tagen konnte die 36-Jährige das Klinikum wieder verlassen. „Beim Fäden ziehen war uns der selbstgenähte Mund-schutz der Patientin aufgefallen und so kamen wir ins Gespräch“, erzählen Klinikdirektor Prof. Dr. Michael Raschke und der leitende Oberarzt Prof. Dr. Martin Langer.

Kurzerhand beschloss Elena Verfürth, die Inhaberin eines Labels für exklusi-ve Mode ist, das Team der Unfallchirurgie mit Masken auszustatten – als Dankeschön. „Die Knochen-Skizze steuerte Prof. Langer bei und Prof. Rasch-ke kam auf die Idee, die Masken noch mit dem jeweiligen Namen besticken zu lassen“, erzählt Verfürth. Keine Woche später lagen die ersten Maske vor – und mit dem Ergebnis sind alle Beteiligten sehr zufrieden. „Wir sind es zwar gewohnt, im OP über viele Stunden eine Maske zu tragen, aber in der aktuel-len Situation, wo wir im Klinikum dauerhaft einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, ist es sehr angenehm, zwischendurch von den Kunststoffmasken auf solche hochwertigen Baumwollmasken zu wechseln“, sind sich die Unfallchirurgen einig.

Die Zufriedenheit umfasst übrigens auch den Zustand des Ellenbogens. „Mit früheren Behandlungsmethoden würde die Patientin jetzt noch den Arm in einer Manschette tragen“, sagt Langer. „Die Beweglichkeit und Kraft sind so kurze Zeit nach der Operation aber nun schon hervorragend!“ In etwa drei bis vier Monaten sollte der Arm von Elena Sophia Verfürth vollständig ge-heilt sein. Dann kann sie auch wieder ihrer großen Leidenschaft nachgehen: dem Reitsport.

 

 
 
 
 

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